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Konzept der Gedenkstätte

 

pamir-neu2Über 95 Prozent der Waren weltweit werden mit dem Schiff transportiert. Trotz aller Sicherheitstechnik verlieren zigtausende Seeleute jährlich ihr Leben auf See. Weltweit existiert kein Gedenk-Ort für die Menschen der zivilen Schifffahrt. Seit dem 21.9.07 hat sich in St. Jakobi Lübeck mit der Gedenkstätte „PAMIR International Seafaring Memorial“ ein Ort entwickelt, der aller Opfer auf See gedenken will.

 

Die Grundidee der Gedenkstätte besteht erstens in der konkreten lokalen Erfahrung in der Pamir-Kapelle in St. Jakobi und zweitens in dem globalen Zugang durch eine zu entwickelnde Internetplattform. Dieses Profil wird die Jakobikirche mit multimedialen Möglichkeiten (Internetportal, Multimediapräsentation auf Holografiefolie, weiteren Installationen und interaktiven Schnittstellen) umsetzen für den Besucher, der die Gedenkstätte online und real besucht.

 

Neben der Ehrung der Toten ist besonders der Community-Gedanke wichtig. Die Online-Datenbank wird mit web 2.0 Funktionen (multimedial, interaktiv) arbeiten: Weltweit können Menschen, die Seeleute in Ihren Familien oder ihrem Bekanntenkreis hatten, die auf See geblieben sind oder auf einem gesunkenen Schiff gearbeitet haben, Informationen erhalten und austauschen (mySites mit Biografien der Seeleute, Fotos, Videos etc.). Familien können sich kennen lernen und untereinander Kontakt aufnehmen. Neben den Hintergrundinformationen zu Schiff und Besatzung entsteht so ein Netzwerk der Hinterbliebenen. Die Idee ist also, Menschen, die direkt und indirekt mit der Seefahrt zu tun haben, zu vernetzen und den direkt und indirekt Betroffenen ein Forum zu geben, in dem sie ihrer Trauer Ausdruck verleihen können. Außerdem erhalten Besucher, die in unmittelbarer oder mittelbarer Nähe zum Schiffsunglück stehen, die Möglichkeit, als User Inhalte zu dem Thema in einem Web-Portal einzutragen. Auch können Daten von den Auf-See-Gebliebenen eingetragen und den Opfern somit ein Platz in dem Memorial gegeben werden, um Ihrer dort zu gedenken (Raum der Stille). Zeitgleich werden die Daten und Namen in der Gedenkstätte in St. Jakobi aktualisiert.

 

Schifffahrt ist international. Durch die Seeleute an Bord werden alle philosophischen, atheistischen und religiösen Weltanschauungen vertreten. Das Projekt fördert den Austausch untereinander über die Grenzen der weltanschaulichen Grundhaltung hinaus. Denn Trauer ist allen Menschen gemein, so unterschiedlich sie auch in ihrer Weltanschauung und Religion sind. Über die Arbeit von Trauerbewältigung findet sich eine gemeinsame Sprache.


Beispiel: Kurz nach der Eröffnung der Gedenkstätte am 21. September sank die „OmarN“ in der Ostsee. Acht Seeleute ließen ihr Leben auf See. In dem am 4. November in St. Jakobi stattfindenden Seefahrergottesdienst wurde dieser muslimischen Seeleute in der Pamir-Kapelle auf besondere Weise gedacht: Der Imam der Lübecker Zentralmoschee rezitierte eine Sure, die anschließend ins Deutsche übersetzt wurde. Es war ein hoch emotionaler Moment und ein Moment der Verständigung. Ähnliche Gedenkveranstaltungen, Seminare zum interreligiösen Dialog und Veranstaltungen, die sich an Menschen unabhängig von Religion und Nationalität richten, sollen zur Völkerverständigung beitragen. Die Pamir-Gedenkstätte wird in Zukunft zum weltweiten Gedenken der Opfer auf See durch ein zu entwickelndes Youth Education Program einladen.

 

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