Baugeschichte – seit über 775 Jahren

 

Als Lübeck im Jahr 1143 gegründet wurde, war der Koberg noch eine Ödnis. Längst erhebt sich hier eine der fünf Hauptkirchen der alten Hansestadt, dominiert den Platz im Süden und trägt mit ihrer unverwechselbaren Spitze bei zum markanten Bild der sieben Türme.

 

In der jungen Stadt des 12. Jahrhunderts war im Süden der Dom der erste Bau eines Gotteshauses, gefolgt von der Marienkirche am Markt. Doch schon 1227 wird im ersten Oberstadtbuch auch St. Jakobi mitsamt einem Friedhof erwähnt, zugleich mit den Schwesterkirchen St. Petri und St. Aegidien. Ein Bild von diesem spätromanischen Bau gibt es nicht, Überreste sind nur noch im Boden zu finden. Zunächst war beabsichtigt, eine Kirche im Basilika-Stil nach dem Vorbild von St. Marien zu errichten mit hohem Mittelschiff und einem Turm.


Der Plan wurde zugunsten einer zweitürmigen Westfront geändert, aber ebenfalls nicht ausgeführt. Ob dies an den knapper werdenden Mitteln lag, verursacht durch eine wirtschaftliche Krise am Ende des 13. Jahrhunderts, ist nicht belegt.

 

Man entschied sich bei dem Hallenraum, für eine Stufenhallenkirche. Bei dieser ist das Mittelschiff etwas höher als die Seitenschiffe, die jedoch ein einheitliches Dach überdeckt. Deshalb hat das Mittelschiff auch keine eigene Fensterzone. Vom geplanten höheren Mittelschiff zeugen heute noch Reste der Fenster des Obergadens (der Erdgeschoss-Arkaden), die sich im Dachraum erhalten haben. Die bereits bis zur Höhe der Seitenschiffe aufgeführten Türme erhielten Pultdächer – und man baute jetzt lediglich einen Mittelturm. Wohl 1295 scheint der Rohbau der dreischiffigen gotischen Hallenkirche zu stehen; jedenfalls konnte der Dachstuhl über dem Mittelschiff dendrochronologisch (Bestimmung des Holzalters mit der Jahrring-Methode) in dieses Jahr datiert werden. – Aus jener Zeit stammt vermutlich auch das große Tretrad im Turm, das zum Antrieb der Seilwinde für die Baumaterialien diente.

 

Die Weihe der Kirche erfolgte erst mit Fertigstellung des Hochaltars am 12. Juni 1334. Da gab es allerdings schon reichlich Nebenaltäre, an denen auch Gottesdienste abgehalten wurden. Die Kirche zu jener Zeit war eine große Halle, in der Prediger und Besucher umherwandelten, denn im Mittelalter gab es hier noch kein Gestühl. 

 

Im Lauf des 14. Jahrhunderts folgten Kapellen-Anbauten, wofür die Außenwände geöffnet wurden. Auf diese Weise entstand südlich des Chores auch die zweigeschossige Sakristei. Vieles ist im Lauf der Jahrhunderte nicht nur in der Kirche, sondern auch an ihrer äußeren Gestalt verändert worden. Den ersten Dachreiter fegte schon bald nach dem Richtfest ein Sturm herunter; erst nach über 150 Jahren wird ein dem Gotischen nachempfundener Dachreiter wieder aufgesetzt.

 

Der 1628 stark baufällig gewordene Turm wurde 1636 im oberen Geschoss erneuert und bekam einige Jahre später den von Stadtbaumeister Kaspar Walter entworfenen neuen Helm mit den charakteristischen vier Kugeln. Im Barock wurden ebenfalls die Fensterscheiben ausgetauscht; hierfür waren viele spendenfreudige Kirchgänger gefragt. Aus dieser Zeit stammen auch noch die meisten Teile des Kastengestühls.

 

Deutliche Veränderungen

1844 wurde der Innenraum deutlich verändert: die Kirche geweißt, der Lettner abgebrochen, das Gestühl umgebaut sowie einige der noch vorhandenen Nebenaltäre und Einzelstatuen dem St. Annen-Museum übergeben.

 

Im Zweiten Weltkrieg, in der für Lübeck folgenschweren Palmsonntag-Nacht 1942 – als die Bomben ein Fünftel der Altstadt zerstörten – hatte St. Jakobi das Glück, unversehrt zu bleiben. So kann diese Kirche auch noch heute eine reiche, über Jahrhunderte gewachsene Innenausstattung vorweisen.

 

1964/65 wurde nochmals eine umfassende Umgestaltung vorgenommen mit der Verlegung der Kanzel vom zweiten Pfeiler im Westen der Nordreihe nach Osten hin zum Altar. Und da das Kastengestühl auf die Kanzel ausgerichtet war, wurde dieses nun von vom mittleren Kirchenschiff an die Pfeiler versetzt, das Mittelschiff dafür mit Bänken versehen. Bei einer erneuten Weißung fanden auch die lebensgroßen Pastorenbildnisse andere Plätze in der Kirche oder im Pastorat.

 

 

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