Die Pfeilermalereien
mittelalterliche Kunst

 

Die Malereien eines unbekannten Meisters aus dem 14. Jahrhundert finden sich an den weit gestellten zehn Pfeilern des Mittelschiffs und bilden ein hochrangiges Dokument mittelalterlicher Kunst. In feinem Pinselstrich zeigen sie die zwölf Apostel in doppelter Lebensgröße unter gotischen Baldachinen. Dazu gesellen sich Anna Selbdritt, die Dreieinigkeit, der auferstandene Christus mit Siegesfahne sowie die Heiligen Laurentius und Christophorus. Zu ihren Füßen ist jeweils das Martyrium abgebildet. Nun stand schon der Künstler des Mittelalters vor dem Problem, an zehn Pfeilern zwölf Apostel zu plazieren. Er fand eine Lösung, indem sich vor dem Altar jeweils zwei Apostel einen Pfeiler teilen.

 

Die heilige Anna

Ein Blick in die christliche Historie ist hochinteressant. So soll hier – stellvertretend für alle Heiligen – einmal auf das Schicksal der heiligen Anna und des heiligen Christophorus eingegangen werden. Die Legende erzählt, dass Anna mit Joachim verheiratet war. Eines Tages weist der Hohepriester im Tempel ein Opfer von Joachim zurück, weil seine Ehe nach fast 20 Jahren noch immer kinderlos ist. Aus Verzweiflung geht er in die Wüste und hat dort eine Engelserscheinung. Auch Anna erscheint ein Engel, und sie gelobt, sollte sie schwanger werden, das Kind Gott zu weihen. So wird Maria geboren. Mit drei Jahren kommt sie in den Tempel – eine Begebenheit, die auch als Mariä Opferung ausgelegt wird.

 

In St. Jakobi ist die heilige Anna als Anna Selbdritt wiedergegeben. Das heißt: Sie hält auf ihren Armen (in anderen Darstellungen auch auf den Knien) in verkleinerter Ausführung einerseits Maria und andererseits das Jesuskind. Das ist die andere Dreieinigkeit, die weibliche Gegentrinität zu Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist. In der Darstellung auf dem Jakobi-Pfeiler hält nun Anna rechts ein Buch, auf dem linken Arm trägt sie Maria, die wiederum Jesus auf dem Arm hält.

 

Die heilige Anna ist Schutzpatronin der Schwangeren, Mütter und Dienstboten, aber auch der Bergleute und Schiffer – weshalb an diesem Jakobipfeiler auch der Altar der Schifferbrüder stand. Spätestens 1497 existiert hier die Annenbruderschaft der „zevaren Mannen“ mit ihrem Altar. Das Siegel der Bruderschaft – zwei gekreuzte Enterhaken mit grünem Kranz auf rotem Grund – lautete: S’ NAUTARU FRAUTERNITAS SANCTE ANNE IN ECCLESIA SCI JACOBI LUBS (Schifferbruderschaft St. Annen in der Kirche St. Jakobi zu Lübeck). Das Siegel ist als Wappen mehrfach in der Kirche zu entdecken.

 

Folgende Heiligenfiguren sind freigelegt:

Johannes der Täufer - Petrus - Jakobus der Ältere - St. Anna Selbdritt - Matthäus

Heilige Dreifaltigkeit - Der Auferstandene - Simon Zelotes  - St. Laurentius - Paulus

Johannes der Evangelist - Philippus - Bartholomäus - Judas Thaddäus/Thomas

St. Christophorus

 

christopherus

Der heilige Christophorus

Christophorus war ein Riese, der nur dem Mächtigsten dienen wollte. So kam er zum König. Als er bemerkt, dass der König sich bekreuzigt, als vom Teufel die Rede ist, will er den Grund dafür wissen. Nun muss der König zugeben, dass er sich vor dem Teufel fürchtet. Da dieser anscheinend mächtiger ist als der König, will Christophorus jetzt dem Teufel dienen. Er sucht ihn auf und findet ihn als schwarzen Ritter. Christophorus bemerkt während der Zeit mit dem Teufel, dass dieser immer große Umwege um Kreuze macht. Er fragt nach der Ursache und erhält zur Antwort, dass der Teufel nichts mehr fürchte als den Anblick des Gekreuzigten. Nun will Christophorus diesem dienen. Nach einer Begegnung mit einem Einsiedler, der ihm versichert, dass Christus der mächtigste Herrscher sei, arbeitet er zunächst als Fährmann, das heißt: Mit einem Stab in der Hand trägt er Menschen über einen reißenden Strom.

 

Eines Nachts vernimmt er ein dünnes Stimmchen: Ein Kind begehrt, übergesetzt zu werden. Christophorus nimmt es auf seine Schulter, steigt in den Fluss. Die Last wird plötzlich immer schwerer, er droht unter Wasser zu geraten und sagt, er vermeine die ganze Welt zu tragen. Da drückt Christus ihn unter Wasser, tauft ihn und sagt: „Mehr als die Welt hast du getragen – der Herr, der die Welt erschaffen hat, war deine Bürde.“ Als Bekräftigung seiner Taufe solle er seinen Stab in die Erde stecken, und am nächsten Tag würde dieser dann grünen. Und so geschah es.

 

Christophorus gehört zu den 14 Nothelfern und ist zugleich Schutzheiliger für Pilger und Reisende aller Art, besonders der Kaufleute, Schiffer und Matrosen. Sein Anblick schützt den ganzen Tag lang vor dem unvorbereiteten Tod – will heißen: ohne vorher die Sterbesakramente zu erhalten. Insofern verwundert es nicht, dass St. Jakobi noch drei weitere Christophorus-Darstellungen aufweist (in der Hogehus-Kapelle, auf der Außenseite des Kreuzigungsaltars in der Sakristei sowie in der Predella des Brömbse-Altars). Dieser Heilige war im Mittelalter in vielfältigen Darstellungen sehr präsent. In St. Jakobi zeigt sich der heilige Christophorus auf der Südseite, der Kelch-, Epistel oder auch „Männerseite“. Sein Pendant gegenüber auf der Brot-, Evangelien- oder auch „Frauenseite“ ist die heilige Anna.

 

Die Legende des heiligen St. Christophorus wird Ihnen erzählt

von Pastor Lutz Jedeck:

  

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